Heimat News — 11 Mai 2017

Der Meerwasserbereich nimmt weiter Formen an: Vorbereitungen für die Wiedereröffnung am 22. September laufen auf Hochtouren.

Ausstellungsbereiche werden derzeit eingerichtet, die verschiedenen Aquarienbecken in Betrieb genommen und immer mehr tierische Bewohner willkommen geheißen: Die Arbeiten im Aquazoo Löbbecke Museum sind in vollem Gang, denn am 22. September will das beliebte Düsseldorfer Institut für seine Besucherinnen und Besucher wieder die Türen öffnen. Im Landbereich sind vier Fünftel der Tiere bereits in ihr neues Zuhause eingezogen, darunter der Rotaugenlaubfrosch, der Zagros-Molch, die Fransenschildkröte und der Papua-Waran. Auch der Wasserbereich nimmt immer weiter Formen an. Unterschiedlichste Fische – vom Kupferstreifen-Pinzettfisch über Azur-Demoisellen bis hin zu Seepferdchen – schwimmen bereits durch ihre Aquarien. Bei einem Rundgang am Dienstag, 9. Mai, durch den Aquazoo Löbbecke Museum gaben Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Aquazoo-Direktor Dr. Jochen Reiter Einblicke in den Besucherbereich.

„Tagtäglich kann man die Entwicklungen und Fortschritte im Institut beobachten. Das Team des Aquazoos arbeitetet auf Hochtouren, um die Besucherinnen und Besucher am 22. September im neu gestalteten Institut begrüßen zu können. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt ein großer Dank für dieses unermüdliche Engagement und den großen Einsatz“, sagt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.

Im Rahmen des Rundgangs wurde auch der aufwändige und komplizierte Prozess des biologischen Einfahrens der Becken erläutert. Denn bevor ein Wasserlebewesen einziehen kann, muss das Wasser, aber auch das Becken selbst sorgfältig für den jeweiligen Bewohner vorbereitet werden. Im Meerwasserbereich des Aquazoo Löbbecke Museums lassen sich so derzeit eindrucksvoll die vielen unterschiedlichen Stufen des biologischen Einfahrens der Aquarien nachvollziehen.

Bevor das fertige Meerwasser seinen Weg in die Schaubecken findet, wird es im Technikkeller des Instituts behutsam durch Anmischen mit Salz hergestellt: Der Salzgehalt im Meerwasseraquarium ist einer der wichtigsten Wasserparameter und muss mit Hilfe technischer Geräte genau kontrolliert werden. Das Wasser benötigt zudem eine Reifung, während der sich das Gleichgewicht der Salzstrukturen einstellt und die Konzentration von Radikalen, welche für die Tiere schädlich sein können, sinkt. Über die Zeit der Lagerung wird das Meerwasser durchgängig bewegt und belüftet. Hochgerechnet ergeben sich für das Gesamtsystem, 500.000 Liter Meerwasser, alleine etwa 150 Tage an Reifungsprozessen.

In der Zwischenzeit wurde die gesamte Technik für den Meerwasserbereich vor Ort Stück für Stück komplettiert: Filter, Heizer, Beleuchtung, Eiweißabschäumer, Strömungspumpe und vieles mehr. Anschließend werden Tonnen von dekorativem Lochgestein in die Becken eingebracht, um beispielsweise im Halbrundbecken ein künstliches Riff nachzubauen.

Tiere helfen bei der Einrichtung der Becken tatkräftig mit
Auch der Bodengrund spielt eine wichtige Rolle bei dem Prozess des biologischen Einfahrens. Dies wird oft unterschätzt. Vor dem Einbringen ist der Grund tonnenweise von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mühselig und mehrfach gewaschen worden, damit keine Schmutzpartikel ins Becken gelangen. Außerdem ist er nicht nur Dekoration, sondern auch Lebensraum. In einigen Becken, die dieser Stufe des Einfahrens entsprechen, sieht man nun wie sich Kiesel- und Schmieralgen entwickeln, die für eine „erste Biologie“ notwendig sind, aber nicht überhand nehmen dürfen. Hier müssen die Tierpfleger sehr wachsam sein. Die Kontrolle aller wichtigen Wasserparameter, wie zum Beispiel ph-Wert, Karbonatwert, Ammonium/Ammoniak- und Nitrit-Werte, ist absolut essentiell und nimmt viel Zeit in Anspruch. In anderen Becken, die vorangeschritten sind, wachsen höhere Algen, die das Wasser weiter aufbereiten, in dem sie schädliche Stoffe ab- und umbauen. Mehr und mehr Tiere werden nun eingesetzt, die unerwünschten Algenwachstum im Griff halten sollen: Seeigel, Gehäuseschnecken, Einsiedlerkrebse und algenfressende Fische helfen somit bei der Einrichtung der Becken tatkräftig mit.

Fortan setzen die Tierpfleger mehr und mehr Korallen und größere Fische ein. Es erfordert ein hohes Maß an personellem und zeitlichem Aufwand sowie an tiergärtnerischen Erfahrung, bei der großen Anzahl an spezialisierten Becken im Institut, die sich in unterschiedlichen Phasen des Einfahrens befinden, jederzeit adäquat einzugreifen.

Hintergrund Aquazoo Löbbecke Museum:
Das Aquazoo Löbbecke Museum gehört zu den weltweit bedeutenden Einrichtungen auf dem Gebiet Zoo/Naturkundemuseum/naturkundliches Bildungszentrum. Es wurde von 1985 bis 1987 gebaut und hatte nach einer Betriebszeit von etwa 25 Jahren dem Alter entsprechende optische und vor allem technische Mängel, die nicht im Rahmen des Bauunterhaltes beseitigt werden konnten. Die maximale Lebensdauer der technischen Aggregate, wie zum Beispiel die der Lüftungsanlagen, der Kältemaschinen und Kessel, aber auch die der Verglasungen der Glaspyramiden, des Flachdaches und der Dichtungsbänder in der Granitfassade war erreicht, zum Teil überschritten. Erste Sofortmaßnahmen im Bereich der Haustechnik waren erforderlich. Die Sanierung des Flachdachs wurde ebenfalls vorgezogen, um größere Schädenan Bauwerk und Tiergehegen zu verhindern.

Im Ausstellungsbereich bestanden bautechnische und optische Mängel, die durch Dichtigkeitsprobleme und Verschleißerscheinungen der Aquarien, allgemeine Abnutzungen an Böden, Wänden und Ausstellungseinbauten gekennzeichnet waren. In den Pflegebereichen verursachten bauphysikalische Mängel Schimmelpilzbefall. Einige Tiergehege entsprachen nicht mehr den aktuellen Haltungsrichtlinien und mussten neu strukturiert werden.

Aufgrund zunehmender Konkurrenz durch die Attraktivierung und Neueröffnung von Zoos in der näheren Umgebung sind die Besucherzahlen in den vergangenen zehn Jahren demzufolge kontinuierlich von rund 600.000 auf 365.000 zurückgegangen. Diesem Trend soll durch eine Steigerung der Attraktivität des Düsseldorfer Kulturinstituts begegnet werden. Aus diesen Gründen wurde eine Sanierung, verbunden mit einer Modernisierung, erforderlich.

Den Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss zur Sanierung des Aquazoo Löbbecke Museums hat der Stadtrat am 11. Juli 2013 gefasst. Das Volumen: 12.880.000 Euro. In diesem Betrag ist eine Zuwendung des Freundeskreises Löbbecke-Museum und Aquazoo, Gesellschaft der Zoofreunde e.V. in Höhe von 1,8 Millionen Euro enthalten. Der Zoo wurde am 4. November 2013 für die Öffentlichkeit geschlossen, Beginn der Arbeit war im März 2014 – nach zum Teil europaweiter Auslagerung von 15 Prozent des Tierbestandes in andere Zoologische Einrichtungen und Baustelleneinrichtung mit Containerdorf für die Mitarbeiter zur Aufrechterhaltung des verbliebenen Tierbestandes. Der erste Änderungsbeschluss mit Mehrkosten von 2,62 Millionen Euro wurde am 25. Juni 2015 vom Stadtrat beschlossen, den zweiten Änderungsbeschluss fasste der Rat am 10. März 2016. Die bereitgestellten Mittel wurden von 15.500.000 Euro auf 18.800.000 Euro erhöht. Am 6. April hat der Rat einen Änderungsbeschluss mit Mehrkosten von rund 2,11 Millionen Euro beschlossen. Das Volumen liegt damit bei 20.915.000 Euro.

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