Ratingen — 29 Juni 2018

Ratingen. Nach der Schließung der Elsa-Brandström-Schule als einziger Hauptschule vor einem Jahr braucht Ratingen ein heimatnahes Hauptschulbildungsangebot ab Klasse 7.

Hintergrund: Schülerinnen und Schüler, die nach der Erprobungsstufe die Realschule verlassen müssen – zum laufenden Schuljahr waren dies 17 Jungen und Mädchen – haben große Probleme, einen neuen Schulplatz zu finden.

Die Situation ist bekannt: Die Kapazität der Martin-Luther-King-Gesamtschule ist ausgeschöpft, dort können nicht mehr alle Schulformwechsler und Seiteneinsteiger untergebracht werden. Die Gesamtschule richtet schon jetzt regelmäßig eine weitere Parallelklasse im siebten Jahrgang ein, um insbesondere auch solche Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, die nach der Erprobungsstufe (Klassen 5 und 6) eine Hauptschulempfehlung bekommen haben. Zudem hat die Gesamtschule bereits durch die zusätzliche Beschulung von Inklusions- und Flüchtlingskindern weitere Herausforderungen zu schultern. Auch benachbarte Schulträger im Hauptschulbereich sind „voll“ und haben kaum Möglichkeiten, auch noch gemeindefremde Kinder aufzunehmen.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung im Rahmen der Fortschreibung des aktuellen Schulentwicklungsplans diverse Varianten erarbeitet mit dem Ziel, den Ratinger Schulformwechslern ab Klasse 7 einen Hauptschulbildungsgang innerhalb der Stadtgrenzen anzubieten. Die Errichtung einer Sekundarschule oder einer weiteren Gesamtschule wird ausdrücklich nicht vorgeschlagen, zumal dann eine der jetzt vorhandenen Schulen geschlossen werden müsste; die Schulentwicklungsplanung sagt aber, dass grundsätzlich alle weiterführenden Schulen im Planungszeitraum (fünf Jahre) eine gesicherte Existenz besitzen. Nach sorgfältiger und intensiver Abwägung bleibt aus Sicht der Verwaltung als einzig möglicher und vertretbarer struktureller Eingriff die Errichtung eines Hauptschulbildungsgangs gemäß Paragraf 132c Schulgesetz NRW an einer oder beiden städtischen Realschulen.

Für die Einrichtung eines zusätzlichen Hauptschulzweigs eignen sich grundsätzlich beide Realschulen. Die Friedrich-Ebert-Schule in Mitte hat die räumlichen Kapazitäten, da sie zweizügig geführt wird, jedoch dreizügig konzipiert wurde. Das heißt: Es stehen – auch bei erforderlichen Differenzierungsmaßnahmen – ausreichend Klassen- und Fachräume zur Verfügung, um einen Hauptschulbildungsgang für Schulformwechsler ab Klasse 7 einzurichten. An der Käthe-Kollwitz-Schule müssten zusätzliche Räume eingeplant werden.

Die Einrichtung solcher Bildungsgänge, die den eigentlichen Bildungsgang der Realschule ergänzen – und keineswegs ersetzen! – sollen, bietet den Schulen die Möglichkeit, einmal aufgenommene Schülerinnen und Schüler auch dann weiter zu beschulen, wenn sie dem Lernniveau der Realschule nicht mehr folgen können. Der Unterricht in ausgewählten Kernfächern würde differenziert durchgeführt, so dass sowohl lernschwächere Kinder als auch die Kinder, die im Realschulbildungsbereich bleiben, jeweils besser gefördert werden können. Somit hätten auch die Kinder einen Vorteil, die im Realschulbildungsgang verbleiben. Sollte die gezielte Förderung der Hauptschul-empfohlenen Kinder erfolgreich sein, können diese aus dem Hauptschulbildungsgang wieder in den Realschulbildungsgang aufgenommen werden.

Die Landesregierung NRW hat aktuell aus der Mitte des Landtags den Auftrag erhalten, den Hauptschulbildungsgang nach § 132c Schulgesetz vom Ausnahmefall zum Regelfall weiterzuentwickeln, wenn im Gebiet eines Schulträgers ein geeignetes Hauptschulangebot fehlt – wie in Ratingen. Dabei soll das Ausmaß der in getrennten Lerngruppen vorgesehenen Förderung ausgeweitet werden, was noch einmal eine qualitative Verbesserung bedeuten würde. Die Gesetzesänderung könnte just dann in Kraft treten, wenn in Ratingen ein solcher Hauptschulbildungsgang angeboten werden kann.

Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass es auch zum Schuljahr 2018/2019 nach Durchlaufen der Erprobungsstufe erneut zahlreiche Schulformwechsler mit Empfehlung für einen Hauptschulbesuch geben wird. Die Koordinierung dieser Schülerströme wird die Verwaltung natürlich unterstützend begleiten. „Unser Ziel muss es in Ratingen aber sein, den Schulformwechseln künftig einen Hauptschulbildungsgang ab Klasse 7 im Stadtgebiet anbieten zu können“, betont Schuldezernent Rolf Steuwe. „Ratinger Kinder sollen in Ratingen zur Schule gehen und dort einen guten Schulabschluss erreichen können.“

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