Heimat — 23 April 2018

Gut besucht mit über 100 Mitgliedern war die diesjährige Jahreshauptversammlung des Vereines für Heimatkunde und Heimatpflege am Donnerstagabend im Angersaal der Stadthalle.

Neben Jahres- und Kassenbericht konnte der 1. Vorsitzende Michael Lumer erfreut über einen Mitgliederzuwachs in den letzten Jahren berichten.

Zur Wahl standen alle Stellvertreter des Vorstandes an. Einstimmig wiedergewählt wurden die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Gottfried Weck und Philipp Gerard, sowie der stellvertretende Schriftführer Georg Hellhammer und der stellvertretende Kassierer Fritz Vossen. Auch die zweite Beisitzergruppe mit Detlef Klostermann, Karl-Heinz Schneider und Franz Josef Schlösser wurde wiedergewählt.

Im Verlauf der Jahreshauptversammlung wurden zudem zahlreiche Mitglieder für 50-, 40- und 25- jährige Vereinsmitgliedschaft geehrt. Insgesamt 52 Jubilare waren in diesem Jahr zu verzeichnen.

Nach diesen Regularien und dem Ausblick mit vielen interessanten Veranstaltungen und Ausflügen im Jahr 2018 lud der Heimatverein zu einem Vortrag über das Leben von Ratinger Juden in den letzten 200 Jahren ein. Anlass war der Bau einer kleinen Synagoge im Jahr 1817 an der Bechemer Straße.

Der Leiter der Mahn und Gedenkstätte Düsseldorf, Dr. Bastian Fleermann nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte Ratingens. Wie wurden jüdische Mitbürger aufgenommen, wo wohnten sie, welche Berufe übten sie aus, wo gibt es heute noch Spuren? Die brillant vorgetragenen Geschichten fesselten jeden Zuhörer. Besonders schicksalhaft war für die jüdischen Mitbürger die Zeit des Nationalsozialismus, die auch in Ratingen sehr präsent war. So verlieren sich auch Spuren Ratinger Juden in den Konzentrationslagern. Beklemmend war die Geschichte zweier Ratinger Fußballer, die zusammen bei Germania Ratingen gespielt hatten. Die trafen sich in einem KZ wieder, der eine als Aufseher, der andere als zum Tode verurteilter jüdischer Gefangener. Oder die Geschichte der Kinderärztin Dr. Hilde Bruch, die in der Ratinger Innenstadt eine Kinderarztpraxis hatte. Sie konnte bei der aufkommenden Judenfeindlichkeit 1933 rechtzeitig in die USA auswandern und wurde dort später als Psychoanalytikerin und Spezialistin für Essstörungen weltberühmt.

So konnte Dr. Bastian Fleermann dank intensiver Recherche u.a. mithilfe des Ratinger Stadtarchives viele individuelle Schicksale aufzeichnen.

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