News Ratingen — 06 Dezember 2017

Mettmann. „Es ist eine Ungerechtigkeit.“ Marion Kremerius, die Behindertenbeauftrage der Stadt Erkrath ist wütend. Es ist eine hilflose Wut, die in ihrer Stimme mitschwingt, wenn sie von der Änderung erzählt, die der Kreis Mettmann Anfang des Jahres verabschiedet hat.

Es geht um die Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben. Oder eben nicht.

„Anfang 2017 hat der Kreis Mettmann eine freiwillige Leistung zurückgefahren“, sagt Kremerius. Es geht um die Regelungen für den Behindertentransport. Es geht um schwerbehinderte Menschen, die einen Zuschuss vom Kreis Mettmann bekommen, wenn Sie etwa einmal im Monat ihre Familie besuchen wollen. „Sie rufen dann beispielsweise bei einem Taxiunternehmen an, das mit dem Kreis Mettmann kooperiert und das Schwerbehinderte und ihren Rollstuhl befördern kann“, erklärt Marion Kremerius. Für Menschen, die unter anderem nicht alleine laufen können oder auch Menschen mit steuerbefreiten Autos. „Das war so bis Anfang des Jahres. Jetzt dürfen nur noch Menschen den Behindertentransport für Freizeitfahrten nutzen, die eine außergewöhnliche Gehbehinderung haben“, fügt Erkraths Behindertenbeauftrage hinzu. Alle anderen haben keinen Anspruch mehr. Sprich: Nur, wer nicht alleine laufen kann, bekommt die Unterstützung. Wer geistig behindert ist oder eine körperliche Behinderung mit Spastiken hat und die Hilfe einer Begleitperson benötigt, um den Alltag zu bewältigen, aber selbstständig laufen kann, der ist seit Januar von der Förderung des Kreises Mettmann ausgeschlossen.

Ein Beispiel hat Marion Kremerius: „Da ist dieser Mann. Er hat eine schwere Behinderung und ist auf Hilfe angewiesen. Die erfährt er durch seine Frau. Sie fährt ihn im steuerbefreiten Auto zur Arbeit und holt ihn auch wieder ab. Gemeinsam fahren sie einkaufen oder Freunde besuchen. Nach einer Operation kann ihm seine Frau gerade aber eben nicht helfen und der Mann ist gezwungen zu Hause zu bleiben. Auf den Fahrdienst des Kreises Mettmann kann er nicht zurückgreifen. Denn er kann ja noch alleine laufen.“ Ein Missstand, der stiekum von den zuständigen Gremien des Kreises bewilligt wurde. „Ich habe kurz vor dem Beschluss durch Zufall davon erfahren“, erinnert sich die Erkrather Behindertenbeauftragte. Ändern konnte sie nichts mehr an den Plänen, die dann umgesetzt wurden. „Es ist eine freiwillige Leistung des Kreises, für die wir dankbar sind, aber die Änderungen sind menschlich gesehen nicht nachvollziehbar“ sagt Kremerius. Es scheint darum gegangen zu sein, ein paar Euro einzusparen; das aber auf Kosten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behinderter Menschen für das sich die Politik aber doch immer so sehr einsetzt.

Unterstützung erfahren Kremerius und die Menschen mit Behinderung vom Paritätischen Kreis Mettmann. Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfekontaktstelle stehen der Erkrather Behindertenbeauftragten und den Menschen mit Behinderung mit Rat und Tat zur Seite. Die Kontaktdaten finden Sie auf: www.selbsthilfe-mettmann.de; Marion Kremerius ist telefonisch unter: 02104/ 2407-0 erreichbar.

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